Ganztagesschulen sind das Modell der Zukunft: Unser Vorschlag zur Betreuung
Spätestens seit den wirklich schlechten Ergebnissen der ersten PISA-Studie hat es sich herumgesprochen: Ganztagesschulen sind keine ideologischen Hirngespinste irgendwelcher Sozis oder Alt-68er, sondern Ganztagesschulen sind das Zukunftsmodell in der Bildungslandschaft.
Wenn auch zögerlich so findet auch in Rheinstetten diese Erkenntnis immer breitere Zustimmung, was uns sehr freut.
Bei der Frage, wie und durch wen die Kinder gerade in der Nachmittagszeit betreut werden sollen, wenn nicht genügend Lehrerdeputate zur Verfügung stehen, stießen wir auf ein Modell, das seit zwei Jahren sehr erfolgreich in der Stadt Eppelheim praktiziert wird:
„Gemeinnützige Arbeit für Studiengebühren“
Die Stadt zahlt Studenten aus Heidelberg die 500,- Euro für die Studiengebühr , während die Studenten im Gegenzug die Schüler– und Hausaufgabenbetreuung übernehmen.
Wir meinen, Rheinstetten im Umfeld der Universitätsstadt Karlsruhe könnte dieses Modell übernehmen—zum Vorteil aller Schülerinnen und Schüler und zum Vorteil der Studenten, insbesondere Lehramtsstudenten. Das ist eine typische Win-Win-Situation.
Im folgenden Artikel aus der "Stuttgarter Zeitung" können Sie nachlesen, wie diese tolle Idee aus Eppelheim funktioniert:
Ausschnitt aus der "Stuttgarter Zeitung":
Stuttgarter Zeitung | 24.02.2009 | Seite 7 | 109 Zeilen | SUDW |
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Gemeinnützige Arbeit für Studiengebühr
Eppelheim unterstützt 25 Studenten - Städtetag: Ein innovatives und interessantes Modell
EPPELHEIM. Seit zwei Jahren zahlt die Stadt Eppelheim die Studiengebühren für Studenten, die in der Kommune gemeinnützige Arbeiten übernehmen. Die Plätze sind begehrt. Alle Beteiligten loben das Modell. Nachahmer hat es bisher trotzdem kaum gefunden.
Von Johanna Eberhardt
25 Studentinnen und Studenten der Universität Heidelberg arbeiten derzeit nebenbei stundenweise in der kleinen Nachbarstadt Eppelheim. Die meisten helfen bei der Hausaufgabenbetreuung in verschiedenen Schulen der Stadt, einer macht Dienst in der Bibliothek, ein anderer reinigt Schläuche bei der Freiwilligen Feuerwehr. Von März an sollen fünf weitere Studenten der pädagogischen Hochschule eingestellt werden. Mit ihrer Hilfe will die Stadt eine "Leseinsel" für leseschwache Grundschüler einrichten.
Vor genau zwei Jahren, als das Land zum Sommersemester 2007 die Studiengebühren einführte, hatte der Eppelheimer Bürgermeister Dieter Mörlein die Idee für das Projekt: 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit pro Semester im Sozialbereich gegen 500 Euro Studiengebühren, lautet die Faustregel. "Wir wissen, dass sich viele Studenten die Gebühren vom Mund absparen müssen", sagte Mörlein damals. "Zumindest einem Teil von ihnen können wir unter die Arme greifen. Im Sozialbereich gibt es viele Einsatzmöglichkeiten - da ist am Ende ihnen und uns geholfen." An fünf Studenten hat er damals gedacht. Doch schon im ersten Jahr sind es sind fünfmal mehr geworden. "Ich könnte doppelt und dreimal soviel Leute einstellen, wie wir Plätze haben", sagt Mörlein heute.
Katharina Berg, die Deutsch, Englisch und Spanisch im achten Semester studiert und sich bereits aufs Examen vorbereitet, wollte zunächst gar nicht glauben, dass ihr jemand die 500 Euro Gebühren so einfach abnimmt. Nach einem Studienjahr in Belfast hatte sie sich voriges Jahr entschieden, bei ihrer Rückkehr an den Neckar statt in der teueren Heidelberger Altstadt lieber im preiswerteren Eppelheim nach einem Zimmer zu suchen. Auf der Internetseite des Rathauses entdeckte sie dann das Gebührenangebot. "Ich dachte erst, das sei ein Scherz", sagt sie. Aber dann hat sie sich einfach beworben und drei Tage später hatte sie den Job.
Seit September 2008 macht sie nun jeden Dienstagnachmittag vier Stunden Hausaufgabenbetreuung im Eppelheimer Bonhoeffer-Gymnasium. Ihre Eltern bezahlen ihr Zimmer, etwa 400 Euro braucht sie darüber hinaus. "Da ist es gut, wenn man weiß, dass die Semestergebühren schon beglichen sind", erklärt sie. "Die Arbeit selbst ist super für mich: Ich studiere fürs Lehramt, da ist es im Grunde wie ein Praktikum - ich lerne etwas und es ist gut für den Lebenslauf".
Zufrieden mit dem Projekt ist auch Bernhard Fellhauer, der Rektor des Gymnasiums. Viermal in der Woche - von Montag bis Donnerstag - kümmern sich die Studenten bei ihm um Hausaufgabenbetreuung oder "sonstige pädagogische Assistenzen". Unterrichten dürfen die Nachwuchskräfte nicht, aber sie können eine Klasse mit einem Lehrer zu einer Veranstaltung begleiten oder im Notfall eine Aufsicht übernehmen, wenn ein Pädagoge krank wird. "Das ist für beide Seiten eine hilfreiche Sache. Die Studenten sind sehr zuverlässig, sie kommen gern und bleiben am Ball. Bisher hatten am Ende des Semesters immer beide Seiten ein Interesse an einer Verlängerung", erklärt Fellhauer. Dazu kommt: "Die Hausaufgabenbetreuung ist ein Angebot, dass wir ohne das Projekt nicht machen könnten."
Auch Mörlein zieht eine positive Bilanz. Viele Lehrer und Schulleiter würden gern mehr Studenten nehmen, sagt der Bürgermeister, "die buhlen fast um sie". 15 000 Euro gibt die Stadt derzeit pro Semester für ihre Gebührenschützlinge aus. Sozialabgaben und Steuern fallen angesichts der geringen Entlohnung nicht an, damit sei der bürokratische Aufwand für das Projekt gering.
Als er vor zwei Jahren die Idee für das "Gebührenmodell" hatte, hoffte Mörlein, dass sie im Land Kreise ziehen werde. Er stellte das Modell im Städtetag vor. Doch Nachahmer hat er bisher nicht gefunden. Zwar hat in Göppingen die Vereinigung unabhängiger Bürger (VUB) die Idee aufgegriffen und unlängst einen entsprechenden Antrag gestellt. Der wurde aber mehrheitlich abgelehnt.
Dass sich bis jetzt noch keine Nachahmer gefunden hätten, "wundert mich schon ein wenig", sagt Städtetagssprecher Manfred Stehle. "Für die Kommune geht es ja um keinen großen Batzen Geld - und es ist ein interessantes, innovatives Projekt".


